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Was ist Therapie?
"Therapie" bedeutet hier "Psychotherapie". Diese Abkürzung wird in der Umgangssprache viel gebraucht. "Ich mach' jetzt 'ne Therapie" oder: "Der Jan ist jetzt auch in Therapie" hört man häufig.

Was macht man "in Therapie"?
Wir wissen es nicht, denn es gibt über 400 verschiedene Arten von Psychotherapie. Allen gemeinsam ist, daß sie mit etwas Unsichtbarem zu tun haben: mit der Seele des Menschen (griechisch: psyché). Man kann auch sagen: mit der Befindlichkeit und der Art, wie wir uns fühlen und die Probleme des Alltags anpacken. Obwohl man die Seele nicht sehen kann und auch beim Sezieren im ganzen Menschen nirgends finden wird, ist sie offensichtlich vorhanden.

Dazu zwei Beispiele:
Yannick sitzt Mona in der Kneipe gegenüber und sagt zu ihr: "Irre gute Frisur hast du". Mona wird daraufhin knallrot im Gesicht. Ihr Blutdruck erhöht sich, ihre Haut wird feucht - mit anderen Worten: Es hat eine sichtbare und meßbare Körperreaktion gegeben, und dennoch war der Auslöser nur eine seelische Bewegung. Diese Reaktion des Körpers auf eine seelische Bewegung nennt man auch psychosomatische Reaktion (von griechisch "soma", der Körper). Sie zeigt bereits, wie groß die Einwirkung der Seele auf den Körper sein kann.

Hanno (24) mag Hannah (22) sehr gern und möchte sie heiraten. Er hat einen guten Beruf als Elektriker, sie mag ihn auch, ihre Beziehung klappt seit Jahren sehr gut. Es gibt nur ein Problem: Ab und zu bekommt Hanno einen Rappel und fährt mit all seinen Ersparnissen nach St. Pauli auf die Reeperbahn. Dort macht er die Nacht durch und kommt am nächsten Morgen abgebrannt bis auf den letzten Pfennig nach Hause. Dann fängt der Kater an. Und vor allem: Wenn Hannah das erfährt, kann er die Ehepläne vergessen. Aber diese "Macke" scheint sich jeder Kontrolle zu entziehen. Wie oft es sich Hanno auch vornimmt, es "kommt immer wieder vor". Die Seele, oder das Unbewußte, ist offenbar stärker als Hannos größte Willensanstrengung.

Therapie - oder Psychotherapie, wie es die Analytiker der DGPT verstehen, hat nun die Aufgabe, herauszufinden, welche unbewußten Kräfte wirken - im Beispiel von Hanno, ihn immer wieder auf die Reeperbahn locken, so daß er sich keine tragfähige Zukunft aufbauen kann. Das ist möglich, dauert aber recht lange. Wenn Analytiker und Patient gemeinsam fündig geworden sind, verschwinden in der Regel die "Macken" fast von selbst.

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