Zittern, bevor der Zimmerkellner kommt
Menschen, die ein schweres Trauma erlitten haben, können dies nicht überwinden und
müssen daran ein Leben lang leiden. Dies betonte der Hamburger Sozialwissenschaftler
Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma in seinem Vortrag anläßlich der 48. Jahrestagung der DGPT
zum Thema "Trauma und Konflikt". In Träumen und Ängsten wiederhole sich das
traumatische Ereignis immer wieder. Reemtsma interpretierte dazu auch seine eigenen
traumatischen Erfahrungen anläßlich seiner Entführung im März 1996, deren
Nachwirkungen keineswegs überwunden seien. "Das Bild von einem, der dem Leid und der
Bedrohung entronnen ist und nun sein Leben in vollen Zügen genießt, gibt es nicht",
sagte Reemtsma, und fügte als Beispiel für das Fortwirken des Traumas hinzu: "Es
ist angemessen, auf das Klopfen des Entführers im Keller mit einem Adrenalinausschuß zu
reagieren, denn seine Ankunft kann über Leben oder Tod entscheiden. Es ist jedoch nicht
angemessen, noch Jahre später mit ebensolchem Herzklopfen auf die Ankunft eines
Zimmerkellners im Hotel zu warten, nur weil man weiß, daß er irgendwann klopfen
wird." Eine Heilung von traumatischen Ereignissen gebe es nicht. Man könne das
Trauma nur dazu bringen, daß es nicht das ganze weitere Leben bestimme, sagte Reemtsma.
Psychoanalytiker empfehlen: Die Mitwelt sollte auch mit anderen Gewaltopfern wie
Folteropfern, Mißhandelten oder Vergewaltigten Geduld und Einfühlungsvermögen zeigen.
Geduldiges Zuhören, Takt und Verständnis für den erlittenen Gewalteinbruch erleichtern
es den Opfern, damit weiterzuleben. Psychotherapeutische Maßnahmen sollten im Einzelfall
besprochen werden.
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